OSTASIEN Verlag
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Ostasien im Blick: Festschrift zum 60. Geburtstag von Reinhard Zöllner

   

Harald Meyer, Shiro Yukawa und Nadeschda Bachem (Hg.)

 
   
   

ORIENTIERUNGEN, Themenband 2021
OSTASIEN Verlag, Gossenberg
Softcover (21,0 x 14,7 cm), xviii + 397 Seiten
2018. € 38,50
ISBN-13: 978-3-946114-46-8 (978-3946114468, 9783946114468) ISBN-10: 3-946114-46-6 (3946114466)
Vertrieb: CHINA Buchservice / Bestellen

 
   

Diese Festschrift ist dem Bonner Ostasienhistoriker Reinhard Zöllner gewidmet und steht auch im Zeichen der japanisch-koreanischen Aussöhnung. Der vorliegende Band versammelt Beiträge aus der Szene der Japan- und Koreaforschung, die alle im engeren oder weiteren Sinne im Konnex von Zöllners akademischem Interesse und Wirken stehen. Die Aufsätze decken ein breites Spektrum ab, das von kultur- und literaturwissenschaftlichen bis hin zu historischen Themen reicht.

 
   
Inhalt  
   
Tabula gratulatoria
   
Verzeichnis der Schriften von Reinhard Zöllner
   
Harald MEYER, Shiro YUKAWA und Nadeschda BACHEM
   Vorwort der Herausgeber
   
Klaus ANTONI
   Warum 660 v. Chr.? Das Datum der „Reichsgründung durch Jinmu-tennō 神武天皇“ und die Genese einer linearen Zeitrechnung in Japan
   
YUKAWA Shirō 湯川史郎
   Die Entdeckung des Japanischen als Drucksprache:
   Über die Koexistenz, Selektion und Amalgamierung von Druckmedien auf dem japanischen Archipel um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert
   
Hans Martin KRÄMER
   Das Christentum übersetzen: Strategien der Übertragung christlicher Begriffe ins Japanische, 1550–1900
   
Harald MEYER
   Der Geograph Johannes Justus Rein (1835–1918): Frühes OAG-Mitglied und Pionier der Feldforschung in Japan
   
Günther DISTELRATH
   Wie die Frankfurter und Kölner Juden den Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) gewannen
   
Robert KRAMM
   Freiwilligkeit und Eigen-Sinn im imperialen Japan: Gouvernementalität, zivilgesellschaftliches Engagement und anarchistischer Kooperatismus
   
GANG Sung Un [GANG Sŏng-un] 강성운
   From Streets to Theaters: The Emergence of the Korean Entertainment Business in the Early 20th Century
   
NISHIYAMA Takahiro 西山崇宏
   Der „Technologiediskurs“ im Japan der 1930er: Tosaka Jun 戸坂潤 und Aikawa Haruki 相川春喜 im Verein für Materialismusforschung
   (Yuibutsuron kenkyū-kai 唯物論研究会)
   
Harald MEYER und Hendrik GROTH
   Einige kritische Anmerkungen zu F. M. Trautz’ Übersetzung von Bashōs 芭蕉 Genjūan no ki 幻住庵記 („Bericht aus der Wohnhütte des Wahnes“)
   
Ulrich VOLLMER
   Japan als Thema öffentlicher Vorträge an der Universität Bonn zur Zeit des Nationalsozialismus
   
Hendrik GROTH
   Oscar Kressler und die Japanische Philosophie, unter besonderer Berücksichtigung des Neokonfuzianismus der Tokugawa-Zeit
   
KISHI Toshihiko 貴志俊彦 [Üs. Daniel GERICHHAUSEN]
   Das Schicksal der Deutschen in Kriegszeiten aus asiatischer Perspektive:
   Am Beispiel der Wohlfahrtsarbeit des Christlichen Vereins Junger Männer in China während des Zweiten Weltkriegs
   
ODA Kenji 小田謙爾 [Üs. Harald MEYER]
   Zwei unterschiedliche Erzählweisen vom Oktober 1945 aus dem indonesischen Semarang: Zur Bildung eines „kollektiven Gedächtnisses“
   
LEE Sungsi [YI Sŏng-si] 李成市 [Üs. HT: Harald MEYER; Anm. YUKAWA Shirō]
   Die „These einer hybriden Kultur“ innerhalb Ostasiens:
   Die Kultur Koreas aus der Sicht von Katō Shūichis 加藤周一 Mutmaßungen zur japanischen Kultur
   
Daniel GERICHHAUSEN
   „Eine Kraft, die die Menschheitsgeschichte entscheidend verändert“:
   Tokunaga Sunaos 徳永直 Chinabeschreibungen im Reisebericht Soveto kikō ソヴエト紀行
   
Nadeschda BACHEM
   Korea als ein Stachel im Herzen: Kobayashi Masarus 小林勝 Der Paarhufer (Hizume no wareta mono 蹄の割れたもの, 1969)
   
ITŌ Mamoru 伊藤守 [Üs. Harald MEYER; Hendrik GROTH]
   Die Medientechnologie neu überdenken: Zur zeitgenössischen Bedeutung von Félix Guattaris Theorie der Maschine
   
ITŌ Tomohide 伊藤智央
   Der Vorlass Nakakita Ryūtarōs 中北龍太郎 zu den juristischen Bürgerinitiativen für den Frieden in den 1990er Jahren
   
Naoko TAMURA-FOERSTER 田村直子
   Reframing der Fremdsprachenkompetenzen in der Hochschullehre am Beispiel des Japanischen als Fremdsprache
   
Reinhard ZÖLLNER, Harald MEYER (Moderation), Wolfgang KUBIN und Marie-Luise LEGELAND [Transkr. Hendrik GROTH und Natascha SCHEURER]
   Paneldiskussion „Freiheit und Wissenschaft in China und Japan“ (geführt und aufgezeichnet per Zoom am 8.9.2020)
   
   

Vorwort der Herausgeber

Jede Generation muss ihre Geschichte nicht nur neu erinnern und erforschen, sondern auch neu schreiben. Sicherlich gilt dies ebenso für die historische Beobachtung fremdkultureller, geographisch fernliegender Gesellschaften und damit auch für eine kleine akademische Zunft wie diejenige der deutschsprachigen Japanologie. Darüber hinaus sollte die distanzierte Betrachtung selbst mit Vorteil immer wieder in der Vorgehensweise neu überdacht und durch sinnvolle Innovationen ausgestattet werden.

In diesem energischen Anspruch liegt zweifellos das Lebenswerk von Reinhard Zöllner begründet. In seiner stärkeren Verortung der historischen Japanforschung innerhalb einer über den europäischen Kontext hinausdenkenden Geschichtswissenschaft nahm seine Laufbahn durch sein Studium von Latein und der Geschichtswissenschaft in Kiel und Japanologie in Hamburg sowie an der Sophia-Universität in Tokyo ihren Anlauf, was zu seiner Promotion in Kiel zum komparatistischen Thema „Die Ludowinger und die Takeda. Feudale Herrschaft in Thürigen und Kai no kuni“ führte. Durch die Habilitation bei Klaus Antoni in Trier zu „Japans Karneval der Krise: Ejanaika und die Meiji-Renovation“ verstärkte er seinen Japanbezug und erweiterte seinen Forschungszeitraum zur Moderne. Sein Forscherprofil als Japanologe etablierte er durch seine erste Professur für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Modernen Japan an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. An seiner zweiten professoralen Wirkungsstätte Erfurt leitete Reinhard Zöllner den einzigen deutschen Lehrstuhl für Geschichte Ostasiens und bildete – insbesondere durch sein langjähriges Doktorandenkolloquium – viele Historiker mit Ostasienbezug aus. Bereits damals hat er sein Forschungsthema auch auf die Informationsgesellschaft und Kulturwirtschaft im Japan seit der Frühen Neuzeit erweitert, woraus sich später auch seine zeitgenössische Contents-Business-Forschung in Bonn herauskristallisierte. Weitere Pflöcke setzte er dort mit einer konsequenten räumlich-historischen Einordnung, indem er Japan als untrennbar mit Ostasien verbunden definierte.

Innerhalb der ostasiatischen Top-down-Perspektive spezialisierte er sich in Bonn angekommen sodann auf die Schicksalsgemeinschaft Japan-Korea und die problematische Beziehungsgeschichte der beiden historisch und kulturell so eng verbundenen, und dennoch politisch immer mehr auseinanderdriftenden Nachbarländer. Institutionell markierte er dies – der politisch-sozialen Realität in Ostasien gewissermaßen zum Trotz – mit dem Aufbau einer kleinen Bonner Koreanistik, die in enger Kooperation und Gemeinschaft mit der Japanologie in derselben Abteilungseinheit angesiedelt und damit nachhaltig gefördert werden konnte. Seinen Niederschlag in der Lehre fand diese durchaus originelle und weitherum originale Ausrichtung im erfolgreichen, vom DAAD geförderten trinationalen MA-Studiengang TEACH („Transnational European and East Asian Culture and History“) in Zusammenarbeit und im Austausch mit der Korea-Universität sowie der Universität Tsukuba (Japan).

Reinhard Zöllner hat in der Tat seit vielen Jahren „Ostasien im Blick“. Doch nicht nur in seiner wissenschaftlichen Arbeit ist ihm die Versöhnung zwischen Japan und Korea ein Anliegen, für das er sich stets mit viel Herzblut eingesetzt hat. So hat er auch den Dialog mit Akteuren außerhalb des unmittelbaren universitären Kontextes gesucht – sei es in Vorträgen für japanisch-deutsche Gesellschaften, mit Unterschriftenlisten und anderen Aktionen gegen Geschichtsrevisionismus in Ostasien oder natürlich mit seinem überaus informativen Blog kotoba.japankunde.de. Dieser Blog bietet einen Fundus an einsichtigen Analysen zu aktuellen Themen, die Japan und Korea betreffen.

Abgesehen von seinem akademischen Wirken ist Reinhard Zöllner vielseitig interessiert. So begeistert er sich für Software und versetzt seine Kolleginnen, Kollegen und Studierende immer mal wieder in Staunen mit seinen elaboriert programmierten Datenbanken und Hilfsmitteln zur digitalen Lehre. Bei einer anderen Gelegenheit hat er das Kollegium des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften mit seinen Ukulele-Künsten während der gemeinsamen Weihnachtsfeier zumindest gedanklich nach Hawaii befördert.

Diese Festschrift anlässlich des 60. Geburtstags von Reinhard Zöllner fiel für beinah die gesamte Vorbereitungszeit genau in die unglückliche Phase der weltweiten Corona-Pandemie. Der Gedanke mag naheliegen, dass die Beiträgerinnen und Beiträger infolge sozialer Distanzierung und Homeoffice wenigstens genügend Zeit und Muße gehabt haben sollten, einen Text beizusteuern. Die Realität ist gewiss für die meisten eine andere gewesen: Schwelende Unruhe, zusätzlicher beruflicher und privater Aufwand in vielen Dingen, konkrete Zusatzbelastungen im Arbeitsalltag machten das Projekt gewiss nicht einfacher, sondern schwerer. In Anbetracht der diffizilen Begleitumstände sei hiermit allen ganz besonders herzlich gedankt!

Bonn, im Sommersemester 2021

Harald Meyer
Yukawa Shiro
Nadeschda Bachem